Jugendarbeitslosigkeit

Ausgangslage und Zielsetzung

Der Regierungsrat setzt seit dem Jahr 2005 einen strategischen Schwerpunkt zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit. Hintergrund war ein damals frappanter Lehrstellenmangel, welcher sich für leistungsschwächere Abgängerinnen und Abgänger aus der Volksschule fatal auswirkte, und hohe Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten bei jüngeren Personen. Das Basler Schulsystem und die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler wurde von Wirtschaftsvertretern der Region kritisch beurteilt. Ein beachtlicher Teil der Basler Jugendlichen und jungen Erwachsenen drohten ohne Ausbildung und mit fehlenden beruflichen Perspektiven in eine Abwärtsspirale zu geraten, welche nicht selten mit der Vorsprache in der Sozialhilfe endete.

Der Regierungsrat setzte im Jahr 2006 eine interdepartementale Strategiegruppe ein mit dem Auftrag, ein umfassendes Konzept zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit zu entwickeln und mit einer strategischen Gesamtoptik entlang der drei Handlungsfelder «Frühbereich und Schulen», «Übergänge in die Berufsbildung und Arbeitswelt» und «beruflicher und sozialer Desintegration» umzusetzen.

Erste Auswertung 2013

Im Jahr 2013 wurde erstmals Bilanz über die Wirksamkeit der Massnahmen gezogen. Nebst den konjunkturellen Faktoren wiesen viele Indikatoren – auch im schweizweiten Vergleich - auf die erfolgreiche Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit im Kanton hin:

  • An den Schulen wurde die Thematik der beruflichen Orientierung mit diversen Projekten und Massnahmen in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft bearbeitet, was sich positiv auf die Übertritte von der Schule in die Berufsbildung auswirkte.
  • Dem äusserst sensiblen Übergang zwischen der Volksschule und dem nachobligatorischen Bildungsbereich auf der Sekundarstufe II wurde durch die Lancierung des „Case Managements Berufsbildung“ höchste Beachtung geschenkt. Ebenfalls konnte das Lehrstellenangebot mit der Einführung und Förderung der Attestausbildung diversifiziert und ausgebaut werden.
  • Die Quote der arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen pendelte sich seit dem Jahr 2013 zwischen 3.5% bis 4% ein (gegenüber früheren Jahren mit bis zu 6%).
  • Die Sozialhilfequote der Jungen Erwachsenen (zwischen 18 und 25 Jahren) stabilisierte sich ab dem Jahr 2012 bei 8 bis 9% (gegenüber dem Jahr 2004 mit fast 13%).

Konsolidierungsphase 2013 - 2016

Auf der Grundlage der erfolgreichen Konzeptphase beschloss der Regierungsrat, den Auftrag der Strategiegruppe in eine Konsolidierungsphase zu überführen. Die Strategie 2013 - 2016 fokussierte auf drei Schwerpunkte:

  • Koordination und Monitoring der bisherigen und allenfalls neu zu entwickelnden Massnahmen an den heiklen Übergängen „von den Volksschulen in den nachobligatorischen Bildungsbereich auf Sekundarstufe II“ sowie „von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt“.
  • Initiieren einer Ausbildungsoffensive für Menschen im Alter zwischen 25 bis 40 Jahren aus der Sozialhilfe. Das Projekt «Enter - Berufsabschluss für Erwachsene aus der Sozialhilfe» soll Erkenntnisse bringen, inwiefern es gelingt, Personen mit Hilfe einer Nachholbildung zurück in den Arbeitsmarkt zu führen.
  • Beibehalten der zielführenden kantonalen Strukturen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit mit einem systematischen Monitoring und regelmässiger Berichterstattung an den Regierungsrat.

Die Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit startete das Pilotprojekt «Enter – Berufsabschluss für Menschen aus der Sozialhilfe». Die Ergebnisse sind ermutigend: Bisher konnten 76 Personen aus der Sozialhilfe eine beruflichen Grundbildung starten. Über 25 Personen schlossen ihre Ausbildung ab und traten eine Arbeitsstelle an. Nach der Pilotphase entschied der Regierungsrat im Oktober 2016, das Angebot bis Ende 2021 als Projekt zu führen und dann in den Regelstrukturen zu verankern.

Aktuell

Die allgemeine Lage der Jugendarbeitslosigkeit im Kanton Basel-Stadt entwickelte sich erfreulich. Der Lehrstellenmarkt basiert auf der Grundlage einer stabilen regionalen wirtschaftlichen Entwicklung. Der Stadtkanton verfügt zurzeit über ein beständiges Angebot von rund 5‘700 Lehrverhältnissen. Der ausserkantonale Anteil ist leicht rückläufig und kompensiert den leichten Rückgang an Lehrverhältnissen in den letzten Jahren. Die Jugendarbeitslosigkeit (zwischen 15 und 24-Jährige) ist gegenüber den Vorjahren weiterhin gesunken und hat sich in den letzten Jahren bei 3,5% eingependelt. Dasselbe gilt für die Sozialhilfequote junger Erwachsener, die durchschnittlich mit etwa 8% gegenüber den Vorjahren weiterhin leicht rückläufig ist.

Aufgrund des zu erwartenden Zustroms von Migrantinnen und Migranten beschloss der Regierungsrat im Jahr 2017, ein Konzept zur erhöhten Beteiligung von späteingereisten jungen Migrantinnen und Migranten an der Berufsbildung umzusetzen. Die Grundlagen bilden ein umfassender Bericht und ein Konzept der Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit. Im Kern geht es um den Zugang von Späteingereisten in die berufliche Grundbildung und in die weiterführenden Bildungsangebote des Kantons.

Entwicklung

Die Herausforderungen, die die fortschreitende Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen in traditionellen Berufen und Branchen mit sich bringen, sind schwer abzuschätzen. Mit der Automatisierung vieler Aufgaben und Tätigkeiten werden die Anforderungen an die kognitiven und sprachlichen Kompetenzen in fast allen Bereichen steigen. Auch niederschwellige Ausbildungsplätze werden davon betroffen sein, was den Anschluss an Ausbildung und an Arbeit für Jugendliche mit «kleinem schulischen Rucksack» und Migrationshintergrund tendenziell erschweren wird. Der Rückgang an Ausbildungsplätzen im Detailhandel ist teilweise bereits diesen Veränderungen geschuldet.

Für die Integration aller Jugendlicher in Ausbildungen der Sekundarstufe II müssen die geforderten Kompetenzen an den Schulen und auch im Rahmen der Berufsausbildungen weiter gefördert werden, damit die Ausbildungsfähigkeit auch zukünftig gesichert werden kann.

(Aktualisierung 08.03.19)

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